Liebes Fußpilztagebuch! (08.09.2006)
Ich will heute einmal wieder etwas in Dich hineinschreiben. Dich quasi zukleckern mit meinem Mist, mißbrauchen für egozentrische Poserei und gar arg gestelzt daher kommender Wortakrobatik. Auf Rechtschreibfehler mag ich auch diesmal nicht verzichten.

Viel ist passiert in letzter Zeit. Das kann ich Dir sagen! Ich bin mit dem Studium fertig, Akademiker nun und freier Künstler. Richtig Geld kommt dooferweise nicht rein. In Zahlen: zwischen 500 und 800 Euros monatlich und davon sind 200 von Oma und Mutti! Zum Leben reichts, zum Brausen und Sausen allerdings nicht.
Viele nette Leute habe ich auch kennen gelernt (zum Beispiel den Pestizid von der Pest, dann noch den Mann vom CopyShop - der mir Rabbat gibt, weil er den Ulle so doll findet - und außerdem die Bettina Irgendwas von hinter Theke beim PLUS-Bäcker). Diese Welt ist schon verrückt, mit all dem Krieg im Libanon und was weiß ich wo.
Gerade in diesem Moment schlägt die Turm- und Glockenuhr 20:12, ich bin mit meinem Tagwerk durch und überlege ob ich einen 20:15 Film gucke, was schönes auf Video ausleihe, ein extrem gewalthaltiges Computerspiel spiele oder etwas etwas esse.
20:18 Uhr - die Entscheidung ist gefällt: Fernseher gucken und nebenbei was futtern. Das sind drei Fliegen mit einer Klappe, weil ich zusätzlich zum Fernsehen und Essen auch noch den Kampf gegen das Haltbarkeitsdatum meiner aus London importierten Schweinekuchen gewinne! Yeah, was für ein furioses Finale für diesen herrlich beschissenen Tag!

PS: Daß ich die Bettina aus dem PLUS-Bäcker kennen gelernt hätte und daß sie nett sei, war gelogen. Ich HASSE diese abscheuliche Person! Die bescheißt mich immer immer immer! Aaaaaaargh! Jetzt essen.
 

Für den Hinterkopf (23.08.2005)
„Die Bilderwelt des Fernsehens bestimmt nicht nur mehr und mehr die Informationsgewohnheiten der Menschen, sie wird vielmehr in der Form ihrer unterhaltsamen, kontextlosen Bildlichkeit zum Paradigma zugleich der Wahrnehmung, des Verständnisses der Welt im ganzen und des jeweils eigenen Selbstbildes. Visualität wird zum Charakter der sozialen Welt und gleichzeitig zum beherrschenden Medium ihrer Deutung. Die Sinneswahrnehmung der bildlichen Repräsentation wird zur Sinnwahrnehmung der Welt.“

Meyer, Thomas (1995): Herausforderungen und Perspektiven einer visuellen Kultur.
In: Baacke, Dieter und Röll, Franz Josef (1995): Weltbilder, Wahrnehmung, Wirklichkeit. Opladen: Leske + Budrich. S. 53.

Männertag (20.05.2004)
Hallo Friends & Fans. Bin mal wieder umgezogen. Die neue Wohnung ist jetzt erstmal was für länger. Deswegen ist sie auch schön. Richtig schön.
Daß die letzten Wochen couchkartoffelsalat-technisch rein gornüscht passiert ist, ist selbstverständlich Telekoms Verschulden. Also allemann schnell in den Briefumschlag gekackt und ab die Post an die Telekom. Die sind nämlich schuld und außerordentlich doof noch dazu.
Ansonsten läuft alles besser als geschmiert. Der Ulkbär ist verkauft, die MagisterArbeit in der Mache und der KniekehlenPilz ist abgeerntet.

Kommen wir zu einem völlig anderem Thema. Weil heut nämlich MensDay (dieser eigentlich irgendwie christliche Feiertag mit Jesus und so) ist, hab ich mir was überlegt. Und zwar einen Film. Wenn ihr genauso cool gewesen wäret wie ich, und MedienWissenschaft studiert hättet, dann wüsstet ihr, dass zu einem Film, neben DrehBuch, Brat Pitt und Happy End auch ein „PLOT“ gehört. Ein Plot, das ist die GrundIdee des Films. Und die wäre folgende: Also, es geht um einen Käfer. Der Käfer hat eine Dynamit-Stange mit Zeitzünder auf den Rücken gebunden und die Hauptpersonen des Films versuchen die ganze Zeit den AusschaltCode für den Zeitzünder herauszufinden. Dabei gehen sie über Leichen. Quasi nieten sie total viele Leute um, um den Code herauszufinden. Am Ende des Films wird deutlich, dass die Helden, für einen sozusagen banalen Zweck ihre Ideale verkaufen und zu Mördern werden. Der Käfer wird selbstverständlich gerettet. Doch zu welchem Preis?...
Man merkt schon, der Film wird supertiefsinnig. Was für intellektuelle Cineasten. Die Kritik von der SüdDeutschen (Zeitung) wird sicher klasse.

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Vormittag (09.07.2003)
Okay... also, folgendes. ICH studiere nun seit fast vier Jahren. Und zwar Soziologie, Kommunikations- und Medienwissenschaften und Literaturwissenschaft. Nächstes Jahr bin ich fertig und – jetzt das Interessante an der ganzen Schoße – wahrscheinlich arbeitslos. Und das Gefühl, dieses Gefühl zu haben, ist irgendwie kein schönes Gefühl. Man fühlt sich wie einer von Joschas Lemmingen, der in Richtung Abgrund rammelt und sich nicht umdrehen kann, weil er einen steifen Nacken hat. Deswegen weiß er auch nicht, was hinter ihm liegt. Vielleicht ein Löwe oder das Bermuda-Dreieck. Also immer vorwärts in die Zukunft, die verlockend winkt, aber heimlich schwarz ist.
Aber wer blauäugig in ein schwarzes Loch läuft, ärgert sich grün! Aus diesem Grund habe ich selbstverständlich einen Plan B – einen Plan B für später. Und der... heißt... so: FREAK-ZOO™.

Die Idee ist total cool und kann hier verraten werden, weil sie schon zum Patent angemeldet worden ist (von mir). Und zwar sieht der Freak-Zoo ™ folgendermaßen aus:
Ich miete mir irgendwo eine billige Wohnung mit Hinterhof (z.B. in Tschechien). Dann kauf ich mir in der Zoohandlung oder im Tierheim billige Viecher. Eine Katze, zwei Hunde, Karpfen, Meerschweinchen... und für ganz viel Geld im Zirkus einen alten Esel, der bloß noch zum Schlachten gut wäre. Die Katze wird dann geschoren – komplett! Daß die so richtig nackischt und rosa mit Haarstoppeln ist. Die darf dann immer frei im Freak-Zoo™ herumlaufen.
Der eine Hund – ein Kampfhund – kriegt eine Nase-mit-Schnurbart-Brille aufgesetzt und wird vor einer Original-Erstausgabe der Buddenbrooks festgetackert. Der andere Hund ist das geschlechtliche Gegenstück zum Buddenbrook-Hund und heißt Jacki. Dem bzw. der Jacki mische ich dann immer „Spanische Fliege“ ins Tschappy, so dass sie oder er total spitz wird und versucht, mit dem angetackerten Hund zu kopulieren (Fremdwort für „etwas zusammenstecken“).
Der Esel – der Esel kriegt eine 8 auf das Fell gemalt, so eine Auto-Ralley-8. Also ein weißer Kreis mit einer schwarzen Acht drin. Ganz groß auf die Seite. Auf die andere Seite kommt eine Auto-Ralley-7, um die Besucher zu verwirren. Der Esel steht dann einfach nur rum, mit der 8 und der 7 und das Beste... er wird sich ca. ein- bis zweistündlich übergeben müssen, weil ich ihm heimlich Lebertran in den Hafer mixen werde. Er wird sehr wahrscheinlich der Star sein, im Freak-Zoo™. Zumindest für die Kinder...
Für die Erwachsenen gibt es aber auch ein Schmankerl und zwar die „Über-18-Abteilung“. Die muß man sich vorstellen wie eine Wahlkabine, also ein billiger Sperrholzplattenverhau mit Vorhang, über dem steht in gelb-roten Leucht-und Druckbuchstaben „DIE ÜBER 18-ABTEILUNG“. Darin sind dann drei Wände (eine hinten, ein links, eine rechts). In jeder Wand ist ein Loch und der Besucher muß entscheiden, in welches er sein Glied stecken möchte. Hinter dem einen Loch verbirgt sich der Schlund eines Karpfens, hinter dem anderen der Pops eine Leiche und hinter dem letzten ein elektrischer Stift-Anspitzer. Die Schreie der „Über-18-Abteilungs-Besucher“ werden selbstredend übertünscht durch apokalyptische Panflötenmusik, die den Innenraum der Kabine mit ohrenbetäubender Lautstärke beschallen wird.

So ungefähr stelle ich mir meinen Freak-Zoo™ vor. Ein Panoptikum lustig geschminkter und auf cool präparierter Lebend-Tiere. Die Leute würden ganz sicher extra nach Tschechien fahren und 13 Euro Eintritt bezahlen (mo-di auch ermäßigt €11.50), nur um den kotzenden Esel zu sehen. Wahrscheinlich würden Kaffeefahrten organisiert werden – vormittags mit den Kindern in den Freak-Zoo™, dann billig Knödel essen und auf der Heimreise eine Elektro-Rheumadecke mit eingebauten Wohlfühlmagneten kaufen.
Der gewiefte Leser hat’s viellei schon gemerkt, die Botschaft des Textes lautet – wer will (und wer wirklich will, also richtig, richtig und so richtig sehr im Ernst), der findet immer eine Arbeit, sozusagen etwas, womit er sein Geld verdienen kann. Ich sehe weiß für die Zukunft!

Übrigens, ganz vergessen wurde vor lauter Zukunftsträumerei, was ich mit den oben erwähnten Meerschweinchen machen würde. Die kämen nämlich nicht in den Zoo, sondern b-kämen einen Platz links und rechts vom Fernsehsessel, so dass ich sie streicheln kann. Raumschiff Enterprise kucken und dabei links und rechts streicheln, das ganze gleichzeitig, quasi Stereostreicheln. Meerschweinchen-Stereostreicheln - wer das nicht kennt, hat die Welt verpennt!
 
 

Samstag (29.06.2002)
Warten auf die Mutation. Schon seit Jahren. Ich hab alles versucht. Von Spinnen beißen lassen, in Tschernobyl Pilze essen, meine Geburtsurkunde verleugnet. Nix. Nur die traurige Erkenntnis: ich bin kein Superman. NOCH NICHT!
Aber ich bin geduldig. Ich KANN WARTEN! Schicksal, du Schwein, ich hab Zeit. Mein Quantensprung wird kommen! Auch ohne dich. Und dann werde ich unbesiegbar sein! Dann kann mir keiner mehr was. Niemand! Und dann zeig ich es dir, Welt! Alle werden vor mir erzittern, alle die ich meine! Vor allem DU Brian Krönert, unauslöschliches Trauma der Kindheit.
Ein Kostüm werde ich brauchen. Ganz klar, hauteng. Mit Genitalienbeule vorn dran. Und alle werden denken "Wow! Look! Diese Genitalienbeule! Der ist potent!" Und sie werden mich MR. POTENZO nennen. Mr. Potenzo, der Mann, der immer kann und überall und vor allem mit Frauen. Meinem Titel muß ich dann natürlich gerecht werden und deshalb allen notleidenden Frauen, die traurig sind, weil ihnen niemand den Beischlaf abbittet, beistehen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach... Das Sexualleben notleidender Frauen retten... warum nicht.
Einen Gehilfen brauche ich aber noch. Selbstverständlich ist er zu schwach, um mir bei der Erfüllung meiner schweren Aufgabe zur Hand zu gehen. Aber... er darf meine Hoden tragen. Die sind nach der Mutation nämlich voll groß geworden. So groß, daß der Gehilfe eine Schubkarre brauchen wird, um sich meines Gemächtes zu bemächtigen. Und deshalb heißt der dann auch: Schubkarrenschorsch!
 
 

Montag (01.10.2001)
Oh Mann. Mein Kopf fühlt sich so weich an. Irgendwie innerlich weich. Außen ist alles ganz normal. Also normale Konsistenz,  mit Ohren, Haaren und Gesicht, alles wie immer. Aber dazwischen, darunter und dahinter... eijei, was blubbert da zur Zeit?
Ganz sicher werde ich demnächst wieder klug, dynamisch, engagiert und absolut potent sein. Aber wann? Und für wie lange? Und wieso? Für wen? Für was?
Für Mutter und Vater? Ja? Oder für die Frauen, den Staat oder die Kinder dieser Welt? Häää? Für wen lohnt es sich denn bitteschön klug, dynamisch, engagiert und absolut potent zu sein? Für wen??? Ich weiß es. Und zwar für: Mutter und Vater, für die Frauen, den Staat und die Kinder dieser Welt!
Ja! Für die Kinder dieser Welt! Denn Kinder sind unsere Zukunft! Nicht wir selbst! Nein! Die Kinder! Die Kinder! Die Kinder! Die Kinder!
Und die USA!
 

Donnerstag (17.05.2001)

In und outliste:
Out: freier Willen (zu anstrengend)
In: Aupplaus-Klatschen (zum Beispiel, beim Bäcker, wenn jemand den letzten Schwarz-Weiß-Keks kauft.)
 

Dienstag (15.05.2001)
Ich wäre gern unendlich reich. Eine Milliarde Dollar wären gut. Ich würde mit einem einzigen Telefonanruf ganze Radiosender aufkaufen und platt machen. Und dann eine neue Modewelle starten, in der ich jeden heimlich dafür bezahle, daß er meine Mode anzieht. Wenn ich dann über die Hälfte der Deutschen bezahle, schließen sich die anderen automatisch an, wegen Gruppenzwang. Schließlich (im Laufe der Jahre) wird aus dem Gruppenzwang ein Selbstzwang und die Menschen können gar nicht mehr anders als meine sogenannte "Mode" zu tragen, für immer. Die Mode würde so aussehen: graue Sackleinenponchos für alle Männer und beige Sackleinenponchos für alle Frauen. Dann hätten wir endlich mal ein System in diesem fürwar schrecklichem deutschen Anziehsachenchaos. Es kann und darf einfach nicht sein, daß sich unsere Mitmenschen untereinander durch reine Äußerlichkeiten von einander abgrenzen, ja abheben wollen. Kein Mensch ist besser als der andere, nur weil er ein FishBoneSweatShirt an hat, während sich sein Nächster nur ein abgetragenes drittklassiges ClownsKostüm leisten kann und deswegen den ganzen Tag Clownstränen vergießt.
Also einheitliche Kleidungsplicht für alle. Sackleinenponchos for presidentschaft!
 

Sonntag (05.11.2000)
Nächste Woche ist Weltuntergang, Jerusalem brennt schon. Ich bin bereit, morgen schnell noch 50 Dosen Ravioli aus der Norma kaufen und dann den Küchenschrank einrichten, mit Decken und was zum Lesen und ein Löffel für die Ravioli. Wer hier lacht, der soll mir seine Telefonnummer mailen, den ruf ich nächste Woche an, um "Siehste!" zu sagen.
Achja, was mir grad einfällt, der Mensch ist ein Mängelwesen. Von Natur aus so geschaffen, sich und seiner Umwelt das Leben unbequem zu machen. Eine Gesellschaft, in der es allen gut geht, und in der alle zufrieden sind, wird es nie geben. Das ist eigentlich schade, ja traurig, nein schrecklich. Wenn jemand ein Gesprächsthema für einen nicht in Schwung kommenden Bierabend sucht, dann soll er das Thema "Perfekte Gesellschaft" anschlagen und nach 20minütiger Debatte, hat irgendeiner alle davon überzeugt, daß jedes Pantoffeltierchen ein glücklicheres Leben führt als unsereins.
Plötzlich aber kommt der KitschProfessor vorbei und alle rufen: Hau bloß ab KitschProfessor! Was willst Du uns denn erzählen, ohne daß wir ein zynisches Lächeln für Dich übrig hätten? Und der Kitschprofessor erzählt von seiner Kindheit, vom Drachensteigen, Dropse essen, Knallfrösche bauen und heimlich Nougat naschen. Der Dieter zündet sich eine Zigarette an, grinst und erinnert sich an sein erstes Moped. So wird auf einmal alles redselig, die Sonne geht über dem verrauchten Kneipentisch auf, und alle glücklichen Momente unseres Lebens, stellen sich an, um bedacht und erzählt zu werden. Auf einmal ist alles schön. Ehrlich.
 
 

Samstag (04.11.2000)
Alles klar. Wichtig - auf einer Studentenparty NIEMALS mit einer Studentin prosten und dabei rufen: "Frauen und Bier stößt man unten!" Das kommt nicht gut.
Der Ärger mit den Studenten. Was ist los mit diesen Leuten? Es scheint, als bekämen sie ihren Studentenausweis nur im Tausch gegen ihren Humor und ihre ursprüngliche Lebensfreude ausgehändigt. Viele finden diesen Tausch echt fair, weil es bei ihnen damit eh nie weit her war. Gelacht wird von nun an über InsiderWissen-Bonmots, ironische Subtilitäten oder schrecklich überraschende Possen - über die Sachen, für die sie früher in der Schule verprügelt worden wären. StundenGespräche über den Sozialstaat, die Ausländerpolitik, den Bruder der Schwägerin, der "drüben" (USA! )seine Ausstellung abartiger Kunst eröffnet hat, zu führen (und zu ertragen) erfüllen und bestätigen ihn, erst recht wenn er es in einer Nacht mal wieder geschafft hat, seine "Mindestens-500-Fremdwörter-Pro-Tag"-Strichliste zu sprengen. Ach scheiße, das hört sich an, wie ein Kalkofe für Arme...
Wahrscheinlich werd ich demnächst aussteigen aus der menschlichen Gemeinschaft. In eine tschechische SozialWohnung einmieten und den ganzen Tag wichsen...

PS: Rechtschreibefehler sind mir abartig peinlich, lassen sich aber auch unter gar keinen Umständen vermeiden.

Freitag (03.11.2000)
Haha und das ist schon der erste Eintrag. Ein Wahnsinn!
 

Der Titel ist bloß Provokation. Eigentlich geht es darum, daß ich eine Schwäche für "USA"-OhrenschützerBaseCaps habe, und daß das ruhig jeder wissen kann!